Der größte Fehler passiert am ersten Tag: Was dein Welpe von dir wirklich braucht

Monty und Emil kuscheln zusammen auf dem Sofa

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Ein neuer Welpe zieht ein, und plötzlich ist alles Chaos, Kulleraugen und Küsschen – und irgendwo dazwischen die leise Ahnung, dass du gerade Entscheidungen triffst, die dich die nächsten zehn Jahre begleiten werden. Klingt dramatisch? Ist es auch ein bisschen. Denn was viele nicht wissen: Die wichtigsten Weichen für ein entspanntes Zusammenleben stellst du nicht irgendwann später, wenn der Welpe größer ist, sondern genau jetzt, in den allerersten Tagen.

Ich begleite Menschen mit fundierter Ausbildung im Bereich Hundeerziehung seit Jahren durch genau diese Anfangsphase, und ich sehe dabei immer wieder dieselben Stolperfallen. Die gute Nachricht: Sie lassen sich mit ein bisschen Klarheit und Konsequenz ziemlich gut vermeiden. Und weil ich das nicht nur aus der Theorie kenne, melden sich hier zwischendurch auch meine beiden Vierbeiner zu Wort: Monty, mein ruhiger Labrador-Rüde, und Emil, unser turbulenter Junghund – die beiden haben zu fast allem eine Meinung.

Regeln gelten ab Tag eins – nicht “irgendwann”

Der wohl größte Denkfehler, den frischgebackene Welpeneltern machen: Sie denken, ein bisschen Narrenfreiheit am Anfang schadet ja nicht, schließlich ist er noch so klein. Das Problem dabei ist nur, dass dein Welpe das nicht so sieht. Was heute erlaubt ist, hat er morgen als Regel abgespeichert – und wenn du es übermorgen plötzlich verbietest, versteht er die Welt nicht mehr. Diese Inkonsequenz verwirrt ihn nicht nur, sie macht die Erziehung später spürbar schwerer, weil du dann gegen bereits gelernte Muster ankommst statt neue aufzubauen.

Die Regel, die du dir also am besten gleich am ersten Tag überlegst: Was darf mein Hund als ausgewachsenes Tier, was nicht? Und genau das gilt dann ab sofort, nicht erst, wenn er größer ist.

O-Ton Monty: Ich für meinen Teil finde, Regeln sind Verhandlungssache. Frau versucht es zumindest jeden Tag aufs Neue. Bisher erfolglos.

Dein Zuhause ist keine Freilaufläche – jedenfalls nicht sofort

Ein Welpe zieht ein, und aus lauter Freude wird ihm oft von der ersten Minute an das ganze Haus überlassen. Klingt gastfreundlich, ist aber eher überfordernd. Ein neuer Welpe kennt weder deine Möbel noch deine Regeln noch die Struktur deines Zuhauses. Deutlich entspannter für alle Beteiligten ist es, den zugänglichen Bereich Schritt für Schritt zu erweitern: Läuft es in einem Raum gut, kommt der nächste dazu. So wächst sein Radius mit seinem Verständnis mit, statt dass er von Anfang an mit Reizen und Möglichkeiten überschüttet wird, die er noch gar nicht einordnen kann.

Hochspringen, Betteln, Hinterherlaufen – und warum Ignorieren die klügste Antwort ist

Ein Welpe, der freudig an dir hochspringt, sobald du zur Tür hereinkommst, ist herzzerreißend süß. Genau deshalb ist es auch so verlockend, ihn in dem Moment zu streicheln, zu trösten oder ihm einfach Aufmerksamkeit zu schenken. Nur lernt er dabei etwas ganz anderes, als du eigentlich vermitteln willst: Springen bringt Aufmerksamkeit. Und das übt er dann fleißig weiter, auch wenn er später fünfundzwanzig Kilo wiegt und der Postbote in Sommerhosen vor der Tür steht.

Die klügere Reaktion ist unspektakulär, aber wirksam: konsequent ignorieren, sich wegdrehen, keinen Blickkontakt, kein Wort, bis dein Welpe von selbst wieder ruhig auf allen vieren steht. Erst dann bekommt er die Zuwendung, die er sich so sehr wünscht. Wichtig dabei: Diese Linie muss die ganze Familie mittragen, denn wenn Oma beim Besuch doch immer nachgibt, hat dein Welpe in Sekunden gelernt, bei wem sich Betteln lohnt.

Emils Kommentar dazu: Ich habe da ein sehr erfolgreiches System mit dem Nachbarsopa entwickelt. Klappt zuverlässig seit Wochen.

Wenn plötzlich alles im Maul landet

Schuhe, Teppichfransen, Tischbeine, Handykabel – Welpen erkunden ihre Welt nun mal mit dem Mund, und irgendwann trifft es garantiert etwas, das dir wichtig ist. Wegnehmen und schimpfen bringt an dieser Stelle wenig, weil dein Welpe dabei vor allem eines lernt: In deiner Nähe mit Dingen im Maul ist Stress angesagt, also besser schnell verschwinden oder erst recht festhalten. Deutlich entspannter funktioniert Tauschen: Du bietest ihm etwas an, das er behalten darf, ein Spielzeug oder einen Kauartikel, und nimmst dafür sanft das ungeeignete Objekt entgegen. So bleibt die Situation für ihn positiv besetzt, und ihr übt gleichzeitig, dass Abgeben kein Beinbruch ist – eine Fähigkeit, die euch beim Tierarzt oder im Alltag noch oft nützen wird.

Am Ende zählt vor allem eins

Die ersten Tage mit einem Welpen sind selten perfekt, und das müssen sie auch gar nicht sein. Was wirklich zählt, ist, dass die ganze Familie an einem Strang zieht und dass aus Liebe zum Welpen nicht aus Versehen Verwirrung wird. Ein bisschen Klarheit von Anfang an erspart euch beiden später eine Menge Nerven.

Im nächsten Artikel der Serie schauen wir uns an, was in dieser Zeit eigentlich im Kopf deines Welpen passiert – von der Prägungsphase bis zur Sozialisierung erkläre ich dir, warum er sich in bestimmten Wochen plötzlich anders verhält als noch vor Kurzem. Schau gern wieder vorbei.

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